Symptome eines Lipödems

Ein Lipödem bleibt – egal wie viel Sie abnehmen. Sie werden Gewicht an den Stellen verlieren, die nicht von der Erkrankung betroffen sind, jedoch nicht an den eigentlich von Ihnen gewünschten Zonen, die von der Fettstörung beeinflusst sind. Die nachfolgenden Symptome treten, wenn sie betroffen sind, auch an den Armen auf.

Habe ich ein Lipödem?

Wie kann ich diese Krankheit erkennen?

Was genau ist ein Lipödem?

Das Lipödem aus dem griechischen: Lipos = Fett / Ödem = Schwellung, Geschwulst, ist eine chronische und meist fortschreitende Erkrankung bei Frauen, die durch eine Fettverteilungsstörung gekennzeichnet ist.

Auffällige Körperproportionen als erstes Anzeichen

Besonders auffällig ist zu Beginn das Missverhältnis zwischen einem schlanken Oberkörper und der stärker und kräftiger wirkenden unteren Körperhälfte. Unterschiedliche Kleidergrößen sind fast die Regel. Beispiel Blusengröße 38/40, Hosengröße 42/44.

Warum Diäten beim Lipödem oft wirkungslos bleiben

Diäten führen zu einem immer schmaler werdenden Oberkörper, doch die Beine und Arme bleiben von dieser Gewichtsabnahme unberührt, bzw. sie nehmen kontinuierlich an Umfang zu.

Symmetrische Veränderungen bei Lipödem-Betroffenen

Die Veränderungen durch das Lipödem treten immer symmetrisch auf. Reichen von der Hüfte bis zum Sprunggelenk. Die Füße sind nicht betroffen. Oder es sind nur Ober- und Unterschenkel (Ganzbeintyp) oder/auch Ober- und Unterarm (Ganzarmtyp) betroffen.

Checkliste zur Lipödem-Erkennung

Wenn Sie diese Symptome häufig mit JA beantworten, liegt wahrscheinlich eine Erkrankung Lipödem vor.

Symptome des Lipödems im Detail

Symmetrische, relativ spontane Volumenzunahme

An den Beinen, etwas seltener an den Armen, tritt verstärkt das Unterhautfettgewebe verdickt hervor. Füße und Zehen sind nicht betroffen. Der Körper wirkt disproportional. Der Rumpf ist schlank und das Volumen macht sich erst ab Hüfte abwärts bemerkbar. Dieses ungleiche Körperbild – Ober- und Unterkörper passen nicht zusammen – macht den Frauen sehr zu schaffen und erzeugt oft eine hohe psychische Belastung.

Bei Berührung der Beine oder Arme, sind diese oft sehr empfindlich. Bereits ein leichter Druck reicht, um Schmerzen auszulösen. Im fortschreitenden Stadium kann es aufgrund des zunehmenden Umfangs dazu kommen, dass die Oberschenkel aneinander scheuern. Gehen wird immer mehr zur Herausforderung. Die Haut wird wund und schmerzt. Es ist sogar möglich, dass die Gehfähigkeit mehr und mehr eingeschränkt wird. Erkrankung der Kniegelenke nimmt zu und Gehilfen oder ein Rollstuhl werden zum ständigen Begleiter.

Die Wände der Blutgefäße werden fragil, brüchig und ohne Anstoßen entstehen auffällige Blutergüsse, Hämatome.

Am Abend fühlen sich die Beine schwer und angespannt an. Beim Hochlagern über Nacht gehen die Ansammlungen von Flüssigkeit nicht mehr zurück. Der geringste Kontakt wird als unangenehm empfunden. Auch Schmerzen und das Gefühl von Blei in den Beinen kommt hinzu.

Cellulite, die sogenannte Orangenhaut, ist zu Beginn sichtbar; später entwickeln sich harte Knoten im Unterhautfettgewebe und die Haut wird permanent unebener. Bei einem zunehmend ausgeprägten Lipödem bilden sich Fettwülste unter der Haut.

Diese Symptome treten, wenn Sie betroffen sind, auch an den Armen auf.

Differentialdiagnosen des Lipödems

Woher kommen die Schmerzen beim Lipödem?

Andere Erkrankungen, die mit deutlichen Ödemen in den Beinen einhergehen, wie etwa kardiale oder primäre Lymphödeme, verursachen üblicherweise keine starken Schmerzen. Daher ist es schwer nachvollziehbar, warum die Ödeme beim Lipödem die Ursache für die intensiven Schmerzen sein sollen. Vielmehr könnten die Schmerzen sowie die Neigung zu blauen Flecken auf einen entzündlichen Prozess zurückzuführen sein (5, 6).

Ein Artikel, der 2019 im renommierten Journal of Obesity veröffentlicht wurde, stützt die Hypothese, dass entzündliche Prozesse eine zentrale Rolle bei den Beschwerden von Lipödem-Patientinnen spielen (7). In diesen Studien wurden im Fettgewebe von Betroffenen vermehrt abgestorbene Fettzellen (sogenannte Fettgewebsnekrosen), entzündliche Zellen (Makrophagen) sowie abnorme Veränderungen kleiner Blutgefäße festgestellt.

Die chronische Entzündungsreaktion könnte zu einer Verdickung des Gewebes (Interstitium) und einer Reizung der Nervenfasern führen, was die Schmerzen erklärt. Gleichzeitig könnten die blauen Flecken durch die erhöhte Fragilität der Gefäße entstehen. Weiterhin wurde festgestellt, dass die veränderten Gefäße durchlässiger für Flüssigkeiten sind, was einen Anstieg des Drucks im Gewebe begünstigen kann.

Diese Zusammenhänge basieren jedoch bislang auf Hypothesen und wurden wissenschaftlich noch nicht endgültig bewiesen.

Nein, das Lipödem ist eine eigen­ständige Erkrankung, welche auch schlanke Personen betreffen kann. Aber wir wissen, dass das Lipödem sehr häufig mit einer Adipositas einhergeht. Eine Unter­suchung der renommierten Földi-Klinik zeigte, dass von 2300 behandelten Lipödem­patientinnen etwa 88 Prozent adipös waren, also einen BMI > 30kg/m² hatten (8). Leider wissen wir auch, dass die Adipositas als Erkrankung ebenfalls chronisch progredient verläuft.

Ja, bei etwa 60 Prozent aller Betroffenen besteht eine familiäre Häufung für das Lipödem (9, 10). Bestimmte Gene konnten allerdings bisher nicht ausfindig gemacht werden können (11).

Nicht selten werden das Lipödem und das Lymphödem verwechselt. Beim Lymphödem liegt jedoch eine Störung des Lymphabflusses vor, die zu einem (oft asymmetrischen) Anschwellen der betroffenen Gliedmaßen führt. Dabei sind im Gegensatz zum Lipödem häufig auch Hände und Füße betroffen (12). In den frühen Stadien des Lymphödems können die Schwellungen oft durch Druck reduziert werden. Ursachen für ein Lymphödem können unter anderem Infektionen (z. B. Lymphangitis), Verletzungen oder Operationen wie die Entfernung von Lymphknoten sein. Allerdings kann auch ein fortgeschrittenes Lipödem zu Problemen beim Lymphabfluss führen, die sich in einem druckempfindlichen, wegdrückbaren Lymphödem äußern können. Man vermutet, dass die chronische Entzündung beim Lipödem im Laufe der Zeit auch die Lymphbahnen im Unterhautfettgewebe beeinträchtigt (7, 13).

Eine Lipo­hyper­trophie ist eine Vermehrung des Unterhaut­fett­gewebes, die genau wie das Lipödem auch zu einer dis­proportionalen Umfang­vermehrung an den Armen und Beinen führen kann. Im Gegensatz zum Lipödem bestehen allerdings keine Druck­schmerzen. Nichts­desto­trotz kann auch eine ausgeprägte Lipo­hyper­trophie an den Beinen zu einer pro­gredienten Einschränkung der Mobilität und der Beweglich­keit führen, die durch eine Lipo­suktion verbessert werden können.

LipödemLipohypertrophieLymphödem
Druckschmerzjaneinnein
Fettvermehrungjajavariabel
Ödemvariabelneinja
Symmetrischer Befalljajaselten
Hämatomneigungjaseltennein

Obwohl das Lipödem bereits 1940 von Allen und Hines als Erkrankung erstmals beschrieben wurde, wissen wir heute erstaunlich wenig über das Lipödem (3). Es gibt kaum wissen­schaftliche Daten über die Ursachen und die möglichen Behandlungen des Lipödems. Das mag ver­wunder­lich sein, ins­besondere wenn man bedenkt, dass über 11 Prozent aller Frauen in Deutschland betroffen sein sollen (1). Tatsächlich kann man es nur schwer erklären, warum das Lipödem über so viele Jahrzehnte nicht als Erkrankung wahr­genommen wurde. Erst 2017 wurde das Lipödem in Deutschland als eigen­ständige Krankheit in die Liste der ICD-10 auf­genommen. Aber genau hier könnte eine der Gründe liegen, warum wir noch so wenig über das Lipödem wissen. Denn solange das Lipödem nicht als „echte“ Krankheit anerkannt wurde, wurde auch die Forschung zum Lipödem nur unzureichend finanziert. Somit fehlten bisher die nötigen, öffent­lichen Förder­mittel für die Erforschung des Lipödems.

Literatur

  1. Buck DW, 2nd, Herbst KL. Lipedema: A Relatively Common Disease with Extremely Common Misconceptions. Plast Reconstr Surg Glob Open. 2016;4(9):e1043.
  2. Foldi M. Foldi’s textbook of lymphology for physicians and lymphedema therapists. Maryland Heights, MO: Mosby Elsevier. 2006.
  3. Wold LE, Hines EA, Jr., Allen EV. Lipedema of the legs; a syndrome characterized by fat legs and edema. Ann Intern Med. 1951;34(5):1243-50.
  4. Suga H, Araki J, Aoi N, Kato H, Higashino T, Yoshimura K. Adipose tissue remodeling in lipedema: adipocyte death and concurrent regeneration. J Cutan Pathol. 2009;36(12):1293-8.
  5. Szél E, Kemény L, Groma G, Szolnoky G. Pathophysiological dilemmas of lipedema. Med Hypotheses. 2014;83(5):599-606.
  6. Allen M, Schwartz M, Herbst KL. Interstitial Fluid in Lipedema and Control Skin. Womens Health Rep (New Rochelle). 2020;1(1):480-7.
  7. Al-Ghadban S, Cromer W, Allen M, Ussery C, Badowski M, Harris D, et al. Dilated Blood and Lymphatic Microvessels, Angiogenesis, Increased Macrophages, and Adipocyte Hypertrophy in Lipedema Thigh Skin and Fat Tissue. J Obes. 2019;2019:8747461.
  8. Bertsch T, Erbacher G. Lipödem – Mythen und Fakten Teil 1. Phlebologie. 2018;47(02):84-92.
  9. Reich-Schupke S, Schmeller W, Brauer WJ, Cornely ME, Faerber G, Ludwig M, et al. S1 guidelines: Lipedema. J Dtsch Dermatol Ges. 2017;15(7):758-67.
  10. Kruppa P, Georgiou I, Biermann N, Prantl L, Klein-Weigel P, Ghods M. Lipedema-Pathogenesis, Diagnosis, and Treatment Options. Dtsch Arztebl Int. 2020;117(22-23):396-403.
  11. Paolacci S, Precone V, Acquaviva F, Chiurazzi P, Fulcheri E, Pinelli M, et al. Genetics of lipedema: new perspectives on genetic research and molecular diagnoses. Eur Rev Med Pharmacol Sci. 2019;23(13):5581-94.
  12. Rudkin GH, Miller TA. Lipedema: a clinical entity distinct from lymphedema. Plast Reconstr Surg. 1994;94(6):841-7; discussion 8-9.
  13. Yoon JA, Shin YB, Shin MJ, Yun RY, Kim KY, Song YS, et al. An Assessment of the Relationship Between Abdominal Obesity and the Severity of Upper Extremity Lymphedema. Lymphat Res Biol. 2018;16(5):458-63.
  14. Meier-Vollrath I, Schmeller W. [Lipoedema–current status, new perspectives]. J Dtsch Dermatol Ges. 2004;2(3):181-6.
  15. Herbst KL. Rare adipose disorders (RADs) masquerading as obesity. Acta Pharmacol Sin. 2012;33(2):155-72.
  16. Herpertz U. [Lipedema]. Z Lymphol. 1995;19(1):1-11.