Über das Lipödem
Im Folgenden haben wir für Sie die häufigsten und interessantesten Fragen zum Lipödem zusammengestellt, um Ihnen einen informativen Einstieg in dieses komplexe Krankheitsbild zu ermöglichen.
Ursachen und Entstehung eines Lipödems
Man geht davon aus, dass die hormonelle Veränderungen bei der Frau der Auslöser eines Lipödems sind – abschließend sind die Ursachen für das Krankheitsbild noch nicht geklärt. Meist treten erste Symptome nach der Pubertät auf, nach Schwangerschaften und den Wechseljahren. Auch eine familiäre genetische Vorbelastung der Patientinnen ist sehr wahrscheinlich. Hier haben wir die wichtigsten Erkenntnisse für Sie zusammengetragen:
Was ist das Lipödem?
Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung des Unterhautfettgewebes, die Schmerzen verursacht. Es zeigt sich durch eine Vermehrung des Fettgewebes an Beinen und Armen, was oft zu einer Disproportionalität zwischen dem Körperstamm und den Extremitäten führt. Betroffene haben oft ein Schweregefühl in den Beinen und Armen sowie eine Neigung zu Hämatomen und Ödemen. Die spezifischen Ursachen sind noch nicht bekannt, aber etwa 11 Prozent der Frauen in Deutschland sind betroffen (1, 2).
Wann wurde das Lipödem erstmalig beschrieben, woher kommt der Name?
Das Lipödem wurde schon 1940 erstmals von Allen und Hines als eigenständige Erkrankung des Fettgewebes beschrieben (3). Sie gelten auch als die Namensgeber für das Lipödem. Dabei ist es allerdings wichtig zu wissen, dass ein Ödem per Definition eine Flüssigkeitseinlagerung im Gewebe ist. Da nicht alle Lipödempatientinnen auch unter einem Ödem leiden, kann der Name etwas irreführend sein. Nichtsdestotrotz hat sich das Lipödem als Name etabliert und wird gemeinhin von allen für dieses Krankheitsbild benutzt.
Was wissen wir über die Ursachen des Lipödems?
Unser Wissen über die Entstehung des Lipödems ist noch begrenzt, da bisher nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen durchgeführt wurden. Die genauen Ursachen der Krankheit sind daher noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch einige Hypothesen, insbesondere zur Entstehung der Symptome, die wir hier kurz vorstellen möchten.
Beim Blick unter das Mikroskop zeigt sich, dass das Unterhautfettgewebe von Lipödem-Patientinnen häufig eine Vermehrung (Hyperplasie) und Vergrößerung (Hypertrophie) der Fettzellen aufweist. Dies ist zwar keine Besonderheit, da solche Veränderungen auch bei adipösen Menschen ohne Lipödem auftreten können. Beim Lipödem fällt jedoch zusätzlich eine ungewöhnliche Verdickung des Bindegewebes (Interstitium) zwischen den Fettzellen auf. Diese Verdickung wird vermutlich durch eine chronische Entzündung verursacht (1, 4).
Innerhalb dieses verdickten Bindegewebes lagert sich vermehrt Flüssigkeit ein, wodurch der hydrostatische Druck im Gewebe erhöht wird. Es wird angenommen, dass dieser Druck den Lymphfluss in den Lymphbahnen behindert, was wiederum zur Bildung von Ödemen führt, insbesondere nach längerem Stehen (7, 13).
Die Stadien des Lipödems
Welche Stadien gibt es beim Lipödem?
Das Lipödem wird aktuell in frei Stadien eingeteilt (10, 14). Manchmal wird auch ein viertes Stadium mitaufgeführt, was dann ein kombiniertes Lipödem mit Lymphödem beschreiben soll.
| Stadium | Klinischer Befund |
|---|---|
| I | • gleichmäßig verdicktes subkutanes Fettgewebe (Unterhautfettgewebe) • glatte Hautoberfläche |
| II | • verdicktes subkutanes Fettgewebe mit knotigen Strukturen • unebene, wellenartige Hautoberfläche |
| III | • verdicktes subkutanes Fettgewebe mit dicken Knoten und großflächigeren Verhärtungen (Fibrose) • ausgeprägte Umfangsvermehrung mit überhängenden Haut-Fettgewebsanteilen (Wammenbildung) |
Welche Symptome bzw. Diagnosekriterien gibt es für das Lipödem?
Die ersten Diagnosekriterien für das Lipödem wurden bereits 1951 von Allen, Hines und Wold beschrieben (3). 2012 sind neue Kriterien durch Karen Herbst dazugekommen (15):
- disproportionale Fettgewebsvermehrung an Beinen und ggf. Armen
- beidseitige, symmetrische Manifestation mit keinem oder nur geringem Befall der Füße oder Hände
- Druckschmerzen
- Schwere- und Spannungsgefühl
- Muffbildung im Bereich der Gelenkregionen
- Neigung zu blauen Flecken
- fast ausschließlich weibliche Betroffene
- kaum eindrückbare Ödeme (Wassereinlagerungen)
- nur geringer Rückgang der Fettvermehrung durch Diät oder Gewichtsreduktion
- verstärkte Schwellneigung in den warmen Sommermonaten
- negatives Stemmer Zeichen
- Hypothermie der Haut („Haut fühlt sich kühl an“)
- Teleangiektasien (Vergrößerung kleinster Gefäße)
- verstärkte Schwellneigung in den warmen Sommermonaten
Normalzustand:
Hautoberfläche glatt, Unterhautfettgewebe im Normalbereich. Keine pathologische Veränderung im Gewebe tastbar
Stadium I:
Hautoberfläche glatt mit evtl. Orangenhaut, Unterhautfettgewebe verdickt, Fettstruktur feinknotig.
Stadium II:
Hautoberfläche uneben, Dellenbildung, Fettstruktur grobknotig.
Stadium III:
Hautoberfläche sehr uneben, Gewebe zusätzlich verdickt und härter, großlappig deformierende Fettlappen.
Die Lokalisation eines Lipödems
Welche Befallsmuster bzw. Typen des Lipödems sind bekannt?
Bei der Stadieneinteilung des Lipödems stehen die Beschaffenheit des Unterhautfettgewebes (Subkutis) und der Haut im Vordergrund. Bei der Klassifizierung des Lipödems steht das Augenmerk auf die befallenen Körperregionen. Es gibt hierbei zwei verschiedene Klassifizierungen des Lipödems nach Typen (1, 16):
| Typ 1 | Das Lipödem zeigt sich am Gesäß und den Hüften (Reiterhosen). |
| Typ 2 | Das Lipödem erstreckt sich von den Hüften bis zu den Knien (vor allem Knieinnenseiten). |
| Typ 3 | Das Lipödem reicht von den Hüften bis zu den Knöcheln. |
| Typ 4 | Es zeigt sich zusätzlich ein Befall der Arme. |
| Typ 5 | Das Lipödem beschränkt sich nur auf die Unterschenkel. |
| Ganzbeintyp | Ganzarmtyp |
| Oberschenkeltyp | Oberarmtyp |
| Unterschenkeltyp | Unterschenkeltyp (sehr selten) |
Typ 1: Gesäß und Hüften (Reiterhosen)
Typ 2: Hüften bis zu den Knien
Typ 3: Hüften bis zu den Knöcheln
Typ 4: Zusätzlicher Befall der Arme
Typ 5: Nur Unterschenkel
1: Hüfte
2: Oberschenkel
3: Hüfte und Oberschenkel
4: Unterschenkel
5: Hüfte, Ober- und Unterschenkel
1: Oberarm
2: Ober- und Unterarm
3: Unterarm
Literatur
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